Samstag, 27. August 2016

Luisa



Samstag, 27.August
Heute Morgen hat uns die traurige Nachricht erreicht, dass Luisa verstorben ist. Sie hatte Herzprobleme. Wir können es nicht fassen, es kann gar nicht sein, wir haben doch am Sonntag noch mit ihr Fisch gegessen und vor zwei Wochen den wunderschönen Ausflug mit ihr und Beto gemacht. Sie war immer für uns da. Ihr haben wir auch zu verdanken, dass das ganze Projekt überhaupt statt gefunden hat, weil ich Beto über sie kennen gelernt habe.
Beto will – für die Kinder – dass die Vorstellungen heute trotzdem statt finden.
Wir spielen für Luisa.
Milly, Max und Katrin



Freitag, 26. August 2016

Fels bröckelt



Donnerstag, 25. August

Als sich am Mittwoch die zwei Kranken, Katrin und Max, hingelegt hatten, habe ich versucht, ein Feuer im Ofen anzumachen, damit das Häuschen sich bis zum Abend aufwärmt und somit die beiden bald wieder gesund werden. Aber leider sind meine „Feuer-Mach-Künste“ nicht der Knaller und ich habe es irgendwie geschafft, dass das ganze Häuschen eingeräuchert wurde. Die meiste Zeit war ich dann damit beschäftigt, den Rauch raus zu wedeln, während die beiden in anderen Zimmern hinter verschlossenen Türen schliefen. Am Abend hat schließlich Katrin ein Feuer gemacht und da merkte ich zum ersten Mal, wie mir der Geruch von verbranntem Holz tierisch auf den Wecker ging. Es brannte, zwickte und meine Nebenhöhlen fühlten sich einfach nur trocken an. In der Nacht wurde dann auch ich krank…..leider. „Oh nein haben wir es jetzt geschafft dich auch anzustecken….du bist doch unser Fels in der Brandung!“, sagten Max und Katrin. Nun bröckelt der Fels ein wenig vor sich hin. Trotz Schnupfen haben mich alle Gerüche extremst genervt und nerven immer noch. Das Schnäuzen brachte keine Erleichterung, da die Taschentücher parfümiert sind und selbst das Klopapier duftet nach Blumen.
Nichtsdestotrotz bin ich mit Katrin und Max am nächsten Tag zu den Workshops gefahren, da wir nur noch ein paar Tage mit den Kindern gemeinsam haben. 



Um 15 Uhr kamen die  ersten Gruppen und wir beschlossen, dass wir uns alles der Reihe nach anschauen wollten, um zu sehen, was sie so erarbeitet haben. Also trat jede Gruppe mal auf und wir machten Verbesserungsvorschläge: Kontakt zum Publikum aufbauen, in dem man immer wieder mal sie direkt anschaut, sich Gegenseitig helfen, wenn mal ein Trick nicht klappt, Verbeugen und Applaus abholen und und und. Um 16 Uhr und um 17 Uhr verlief es ebenso. Bei diesen kleinen Präsentationen wurden wir besonders von einigen wenigen überrascht. Besonders von einem Jungen, der David heißt, 15 Jahre. Während der letzten Wochen hatte ich von ihm immer wieder den Eindruck, dass es ihm voll peinlich ist, bei den Clowns mit zu machen. Kann ich verstehen, denn in der Pubertät ist einem so manches peinlich und ein Clown haut auch noch oft in diese Kerbe rein. Wir haben irgendwann letzte Woche gefragt, wer denn kein Clowns-Workshop mehr machen möchte, da wir niemanden zu etwas zwingen wollen, und bis auf 2 von 35 Kinder und Jugendlichen wollten alle Clowns sein. Aber David schlurfte trotz Nachfragens weiterhin peinlich berührt vor sich hin und machte die Übungen mit gesenktem Kopf. Immer wieder sagten wir ihm, dass es ok sei, wenn er das absolut nicht machen möchte. „Nein, nein, ich will ja!“
Und was passierte gestern?!! David, der schlurfende Junge, hatte gestern eine kleine Clowns-Show vom Feinsten abgeliefert. Er hat mich echt von den Socken gehauen, denn ich hatte nicht den Eindruck, dass er was mitbekommen hat, aber er hat alle wichtigen Sachen umgesetzt. Wir waren mächtig stolz auf ihn und er hat uns ganz verschämt, aber glücklich angeschaut.
Am Abend sind wir nach einer kleinen Besprechung mit Yenni und Mijhail nach Hause und da merkte ich, dass ich nicht wirklich fit bin. Also ging ich ziemlich schnell ins Bett und wurde zum Abendessen geweckt, was Max und Katrin gekocht haben. Einen super gesunden Eintopf /leider ungenießbar…die anderen 2 haben mir aus einem gewissen Sicherheitsabstand mit Bewunderung und Respekt beim runterwürgen  zugeschaut…
Noch ein paar homöopathische Globulis und im Nu bin ich eingeschlafen.

Freitag, 26.August

Aufgewacht. Noch nicht fit, aber dafür geht es Katrin und Max vieeel besser. Nachdem ich mich lange ausgeruht habe, bin ich zum SOS-Dorf gefahren, um mich dort mit den anderen zu treffen, die schon vorher in die Stadt losgefahren sind. Um 15 Uhr hatte ich eine Verabredung mit Carolin, um ein letztes Interview zu machen und da ich nicht den ganzen Tag Ruhe geben wollte, hatte ich auch zugesagt. Mittendrinn war ich mir nicht so sicher, ob das eine so gute Idee war, da ich durch den Schnupfen  die Höhe wieder extrem merke und jeder Schritt mehr Kraft kostet als sonst. Über Cochabamba hängt wieder eine eklige Smog-Glocke. Und es riecht wieder überall nach verbranntem Irgendwas. Das Interview war angenehm und verlief nicht so lang, wie befürchtet. Max und Katrin schickten mich anschließend wieder heim, damit ich mich ausruhe, da wir morgen einen langen Tag haben werden! Morgen ist ja die Abschluss-Show der Kinder ………. die Zeit ist echt schnell vorüber gegangen und ich werde die Kinder vermissen … aber noch haben wir morgen einen Tag mit ihnen und ich freue mich jetzt schon auf die Kleinen.
Milly

Mittwoch, 24. August 2016

Blutige Clownsnase und jede Menge Publicity



Bild zum Sonntag









Montag, 22. August 2016
Um zehn nach acht am Morgen wurden wir abgeholt, um zwei Shows in „Colegios“ zu spielen. Wir kamen zur ersten Schule genau richtig zum Morgenappell. Die SchülerInnen standen in Reih und Glied auf der „Cancha“, um Simón Bolivar zu huldigen. Eine ganze Menge SchülerInnen standen aber im Eingang der Schule und nahmen nicht am Appell teil. Sie waren wohl alle zu spät gekommen.  Unsere Show spielten wir dann in einem Coloseo, ein riesiger überdachter Platz mit Tribünen. Der Morgen war kalt und wir warteten eine ganze Weile neben dem Klo...



In den Vorüberlegungen zu diesem Auftritt vor 600 Schülerinnen hatten wir uns überlegt, die kleinen Becher durch Eimer zu ersetzen. Auf dem Markt am Sonntag fanden wir dann bunte Milchschöpfer. Als ich auf Max Schultern saß, schwenkte Milly sie hin und her und dabei brach der Griff der einen Kanne ab und sie flog genau auf meine Nase. Halb benommen stieg ich von Max Schultern und Milly machte mich dann auf den Blutstrom aus der Nase aufmerksam. 
Besonders nachhaltig ist das bolivianische Plastik nicht. 





Danach folgte noch eine Show, ebenfalls in einem „Colegio“.  Doch bevor der Auftritt startete, kamen Journalisten der Zeitung „Opinión“ für ein Interview auf uns zu.
Obwohl die Stimmung in der Show nicht ganz so sympathisch wie sonst war, mussten wir uns nach der Show durch die Kinder hindurch drängeln, die alle Autogramme von uns wollten.

 


Nach einer kurzen Ausruhpause zu Hause ging es weiter zu den Workshops. Am Sonntag hatten Milly und ich auf Grund der Beobachtungen vom Freitag Gruppen zusammengestellt. Mit diesen haben wir dann kleine Szenen oder Choreographien angefangen einzuarbeiten. Zumindest war das der Plan. Das hatte aber nicht bei allen gleich gut geklappt, manche Kinder waren mit der Einteilung nicht zufrieden. Eine Gruppe, mit denen wir gerne eine Clownsszene erarbeitet hätten, ließ sich nicht wirklich dazu motivieren. Viel begehrter waren Teller, Tücher und Rola Bola. Nach einem Abendessen bei den Familien, bei denen ich mich jetzt schon ganz vertraut fühle, kamen wir erschöpft nach Hause. Carolin hatte den Nachmittag filmend begleitet, aber bei den Workshops hält sie sich sehr zurück und ist wie unsichtbar.

Dienstag, 23. August
Der Workshop am Dienstag Vormittag mit den Mamas wurde ebenfalls gefilmt. Es kamen weniger, als beim ersten Mal und auch einige später, als vereinbart. Sie können sich nicht immer frei nehmen. Aber schließlich füllte sich der Raum und schon beim ersten Spiel gab es viel Gelächter. Wir haben die Mamas verschiedene Emotionen darstellen lassen und sie mit diesen in kleine Szenen geschickt. Die Ergebnisse waren sehr abwechslungsreich. Carolin hat in ihren Interviews mit den Mamas die Begeisterung filmen dürfen. Dabei meinten sie, dass ihnen diese Arbeit auch im Alltag helfen würde, Situationen mit den Kindern zu meistern.
Nach einem Mittagessen mit Carolin und Tatjana, der bolivianischen Assistentin und Übersetzerin von Carolin, hat Max sein Interview für Carolin gegeben, während Milly und ich in der Sonne dösen durften. Bei den Workshops am Nachmittag war schon ein Energieverlust auch bei den Kindern zu spüren. Außerdem geht es laut und unruhig zu, weil wir mit den Gruppen gleichzeitig in einem Raum arbeiten oder draußen, wo jede Menge anderer Kinder neugierig zuschauen oder neben her anderes spielen.
Aber trotzdem, die Szenen stehen mehr oder weniger. Auch die vier Mamas, die das ganze Projekt begleitet haben, überlegen sich eine Clownsszene. Außerdem wollen wir sie zur Ansage der Nummern einsetzen.
Leider waren Max und ich am Abend nicht nur erschöpft, sondern auch kränklich, was sich bei Max mit erneutem Fieber und bei mir mit starken Halsschmerzen zeigte.

Mittwoch, 24.August
Heute Morgen war zum Glück ausreichend Zeit für eine Energie-und Gesundheitsdiagnose. Entscheidung war: Show spielen, aber Workshops absagen. Als wir abgeholt wurden, mussten wir auf ein Zeichen hin die Gartentüre öffnen und in den Pickup steigen, wo Carolin mit der Kamera wartete. Dann fuhren wir über einige holprige Wege nach Encanta Pampa, was eigentlich nicht weit weg von unserem Haus ist. Auf dem Weg dorthin wurden wir im Pickup gefilmt. Der Smog stand schlimmer als sonst über Cochabamba. Die Straßen den Berg hinauf sind steinig, Müll liegt herum, die Häuser armselig und provisorisch gebaut. In Encanta Pampa wurden wir vom SOS-Team sehr herzlich empfangen. Dort gibt es eine Krankenstation sowie ein Familienhilfszentrum, das sich um die Kinder vor und nach der Schule kümmert. Vor dem Zentrum war heute ein Aufklärungsstand über Aids.
Die Schule war deutlich ärmer als die anderen Schulen, die wir gesehen hatten. Wir spielten auf der Cancha, die Kinder saßen auf dem Boden. Die Kinder sind immer näher gerückt und weil sie um ihre Plätze kämpften, mussten wir zwischendrin für Ruhe sorgen. Aber wieder  - und dieses Mal leider zum letzten Mal – war es schön, diese lachenden Gesichter zu sehen, wie sie mitgehen, mitfiebern und begeistert sind.
Nach der Show konnten wir endlich ausruhen, Schlaf nachholen, unendlich viele Zitronen ausdrücken und leckeres Risotto essen, das Max für uns gekocht hat.
Katrin

Montag, 22. August 2016

Kleine Autogrammjäger und Ceviche - was will man mehr



19. und 20. August

Wir werden wieder sehr früh abgeholt, aber diesmal von einem neuen Fahrer „Juan Carlos“( dem Mann für Alles aus dem SOS Kinderdorf Cochabamba) und es geht los in Richtung eines „Centro infantil“ in dem wir unsere Show spielen sollen.
Nach einer sehr unterhaltsamen und lustigen Fahrt - es geht vor allem ums Essen, da anscheinend die Cochabambinos  „nicht essen um zu leben, sondern leben um zu essen…“
Wir verabreden uns gleich mit ihm, um nach der Aufführung eben dieses miteinander zu teilen!
Er kennt nämlich einen guten Ort für „Ceviche“ (ein super leckeres peruanisches Gericht, bei dem Fisch roh nur durch Zitronensäure gekocht wird). Also gut für Leib und Seele wäre schon mal gesorgt … hmmmmm
Wir werden herzlich begrüßt, befürchten aber erstmal, dass die Kinder vielleicht  zu klein sein könnten, aber wir werden beruhigt und lassen uns darauf ein.
Spielortbesichtigung ist schnell geschehen … Vorhang im Hof unter einem Sonnensegel aus Plastik aufhängen…
Dafür wird uns eine waaghalsige Leiter angeboten, auf die wir dann doch lieber dankend verzichten und einen Stuhl nehmen!!!!


Beim Umziehen und Schminken im Gruppenraum machen wir dann noch eine Entdeckung …
Echt schräg … im Kinderkaufladen liegt `ne Packung Zigaretten …  zum Glück leer!!!


Es geht los … und bis auf die 2 kleinsten Kinder sind alle total aus dem Häuschen, fiebern von Anfang bis Ende voller Begeisterung mit und tanzen am Schluss sogar ausgelassen, als wir unser Abschiedslied zum besten geben.
Noch beflügelt von den Reaktionen und dem schallenden Applaus unterhalten wir uns dann noch mit der Leiterin der Einrichtung und erfahren viel interessantes über die dortige Arbeit.
Es war anscheinend mal ein Kindergarten, fungiert jetzt aber als Kinderbetreuungseinrichtung mit Elternberatung. Die Eltern zahlen bloß einen geringen Betrag, den sie sich auch leisten können und der dann für den Einkauf des Essens benutzt wird.
Dies müssen die Väter gemeinsam machen damit sie sich bewusster mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung ihrer Sprösslinge befassen.
Viele Kinder werden von ihren allein stehenden Müttern aus anderen umliegenden Regionen gebracht, die in Cochabamba arbeiten.
Einen Platz wo die Kinder währenddessen aufgehoben sind, stellt eine riesen große Hilfe für sie dar.
Wir verabschieden uns mit vielen Umarmungen und draußen wartet schon unser hungriger Freund… hehehe…


Er kennt sich wirklich aus und hat nicht zu viel versprochen, denn das Essen ist super und gibt uns wieder die nötige Kraft, um die nächsten Aufgaben, die auf uns warten, zu meistern.
Kaum zu Hause angekommen, geht’s schon wieder los, um mit den Kindern zu trainieren.
Wir haben uns ein tolles Programm ausgedacht und es läuft alles wie am Schnürchen!
Nachdem Carolin am Tag vorher zugeschaut hat, um kameratechnische Probleme wie z.B. Lichtverhältnisse einschätzen zu können, ist sie heute zum 1. Mal aktiv dabei und filmt fleißig drauf los.
Wobei wir natürlich vorher noch darüber reden, wer sie ist und was sie hier macht. Anweisungen wie „stellt euch vor, sie ist gar nicht da…“ und „jetzt dürft ihr nochmal alle direkt in die Kamera schauen…“ folgen, um den Kindern die Scheu und die Angst zu nehmen, sie aber gleichzeitig vergessen und Carolin ruhig ihre Arbeit machen lassen.
Nach einem super konzentrierten Clowns Workshop mit unglaublichen Fortschritten, was Bühnenpräsenz und Lust am Spiel angeht, geben wir den Kindern die Möglichkeit, schon an ersten selber erarbeiteten Nummern zu schrauben und diese am Ende vorzuführen.
Total beglückt und stolz über ihre 1. kleinen Auftrittsmomente schicken wir unsere Schüler ins Wochenende und treffen uns danach mit dem Film- und SOS- Team zum gemütlichen Arbeitsessen.
Hier werden die nächste Woche besprochen und um Mitternacht werden wir endlich nach Hause begleitet, wo wir alle 3 halbtot ins Bett fallen.

Am Samstag Vormittag steht der 1. Dreh Termin im SOS Dorf Cochabamba auf unserer Agenda.
Ja ja ja… Filmbusiness ist eben ein hartes Business…!
Wir werden dafür  von einer Mutter durch das Dorf geführt und müssen alles mögliche nochmal wiederholen… weil das Licht nicht passt, oder ein Mädchen aus unserem Workshop auf uns zustürmt um uns zu begrüßen, die uns aber im Film noch gar nicht kennen soll und so tun muss als wären wir Fremde für sie.
Danach besichtigen wir das Zuhause einer Familie und alles wird uns gezeigt und erklärt, festgehalten und angeleitet durch unsere Regisseurin.
Ein kleines Interview und Umziehen für die Show…

 
Endlich kann ein Teil der Kinder aus unseren Kursen zuschauen und mitlachen, was den Clowns so alles passiert und hinterher fühlen wir uns wie die großen Stars, da wir alle unsere verschenkten Postkarten signieren müssen…
Was für ein lustiges und komisches aber auch erhebendes Gefühl… hohoho…;)

 

Dann geht’s gleich weiter in ein Theater,  in dem wir den nächsten Auftritt haben.
Es ist inzwischen spät geworden aber wir müssen noch ausharren bis wir dran sind, denn an diesem Abend zeigen diverse Tanzgruppen ihr Können (es sind teilweise wunderschöne Choreographien mit traditionellen Kostümen, die uns die Geschichte und den immensen Reichtum vor Augen führen und uns staunen lassen…) für einen guten Zweck…



Die Einnahmen werden nämlich zugunsten von SOS Kinderdorf verwendet.
Unser Auftritt (wir mussten die Show kürzen und durften nur ein kleines Stückchen zeigen) kommt auch bei dem „großen“ Publikum bestens an und erzielt die gewünschte Wirkung…schallendes Gelächter!!!
Glücklich und erschöpft geht’s dann auf der Ladefläche unseres Pick-Ups nach Hause.
Müder  Max