Montag, 26. September 2016

Erster Spieltag in Leipzig

 
Nachdem die Clowns den Ablauf ihrer Show am frühen Vormittag noch einmal durchgegangen sind steht der erste Auftritt der Tour kurz bevor.


 
In der Gemeinschaftsunterkunft in Beucha ist schnell einen geeigneter Auftrittsort im Garten hinter dem Haus zwischen zwei Bäumen gefunden. Erst sind auffallend wenige Bewohner zu sehen, von Kindern fehlt zunächst jede Spur. Wir zögern mit dem Beginn der Show, bis die Clowns sich entschließen mit Musik durch die Flure der Einrichtung zu laufen um die Bewohner so zur Veranstaltung im Garten einzuladen.




Nach und nach sammelt sich eher scheu ein kleines Grüppchen am Treppenaufgang, so dass die Clowns die Fläche davor als neues Spielfeld beziehen.
Nach den ersten Minuten der gespannten Erwartung was nun dort hinter dem Haus passieren soll erfreuen sich anwesenden Zuschauer sichtlich an der Darbietung und selbst von den Fenstern aus wird die Show von einigen Bewohnern verfolgt.


 
Durch die Verzögerung sind wir schon jetzt recht spät dran für unseren nächsten Termin. 
Die Clowns verteilen noch ein paar Postkarten an Kinder und Eltern und dann brechen wir auf.
Aus dem eher ländlichen Beucha fahren wir zurück nach Leipzig und schlängeln uns durch den Berufsverkehr zum „Conaction Café“. Das regelmässig stattfindende Café ist ein Begegnungsort den der Verein „Interaction Leipzig“ zusammen MitarbeiterInnen des Schauspiel Leipzig in deren Räumen ermöglicht.


In der sogenannten „Baustelle“ gibt es sogar eine richtige Bühne. Vor dieser warten ungefähr hundert gespannte Menschen auf den Auftritt der Clowns. Diese können sich in einem großem Probesaal vor Schminktischen bereitmachen, fast wie in einer Künstlergardarobe ...
Die OrganisatorInnen des Cafés haben sogar einen Shuttle-Service eingerichtet, um Bewohnern aus Unterkünften aus dem Stadtgebiet die Teilnahme an der Veranstaltung zu ermöglichen und so ist der Saal gut gefüllt und bald mitgerissen von der interaktiven Performance der Clowns.








Nach dem Auszug der Clowns aus dem Saal geht es daran die Spielutensilien vor den Kindern zu retten die sich euphorisch auf den Showkoffer stürzen um Jonglagebälle, Zauberstäbe, Instrumente und alles weitere zur ihrer eigenen Verwendung zu entwenden. Danach hoffen wir unser Auto noch unabgeschleppt vorzufinden, haben Glück, und fahren dem Bett entgegen. 

Niko

Doma Kultura

Letzter Tag. Zum Frühstück brät uns Olga superleckere Pilz-Piroggen. Dazu gibt´s heißen Kaffee und Warmluft aus der Heizmaschine. Gut so. Danach: Aufbruch nach Zementni. Namens- und Hauptarbeitgeber dieser Ortschaft ist die entsprechende Fabrik. Aber seit Beginn der Sanktionen und dem starken Verfall des Ölpreises laufen die Geschäfte nicht mehr so gut, und der Preisverfall für Zement beträgt hier etwa 60%.
Als wir unsere Spielstätte, das Doma Kultura Zementni, betreten, ist die Leiterin erstaunt, dass wir für unseren Auftritt kein Geld haben wollen. Sofort beauftragt sie ihre Angestellten, Freunde und Familien anzurufen und zur Show einzuladen. Dass Künstler für umsonst spielen ist nicht üblich, und so wird der Start der Show um eine halbe Stunde verschoben.
Und diese unsere vorletzte Show war diejenige mit dem meisten Szenenapplaus. Am liebsten hätten unsere 60 Zuschauer uns gar nicht mehr weg gelassen.
Am Nachmittag heisst es dann: Finale. Letzte Station auf unserer Tour: Bingi. Ein Heimspiel für uns. 250 Zuschauer erwarten uns im Doma Kultura bei bestem Wetter. 17 Grad und blauer Himmel sind hier Ende September die große Ausnahme. Die Frage „Draussen oder drinnen?“ wird schnell beantwortet, wir disponieren um und bauen vor dem Club eine Bühne auf. Jung und Alt sehen gespannt zu und folgen artig, als Heiko die Zuschauerreihen dirigiert. Noch schnell ein paar Bänke für die Babuschkas aufgebaut, dann geht es los. Pastor, Bürgermeister und Lehrer lachen gemeinsam mit ihren Familien und Schulklassen über die Clowns, es herrscht eine fröhliche und ausgelassene Stimmung. Ich habe das Gefühl, zum Abschluss für das ganze Dorf zu spielen. Eine herrliche Vorstellung.
Nachdem wir gern alle Fotowünsche erfüllt haben, kommt ein Mann mit einer Tüte auf uns zu. Aus dieser zaubert er 4 bunte Strickmützen, die er uns stolz überreicht. „300 Jahre Bingi“ steht darauf in Kyryllischer Schrift – wir sind gerührt ob so viel Freundlichkeit.
Danke Leute, Danke Olga, Danke Stefan, Danke Bingi – wir kommen gerne wieder!
P.S.: Es gab auch gelbe Zuckerkugeln unterwegs. Und weil die einen ganz besonderen Geschmack hatten, wurden sie an uns Spieler verteilt für ganz besondere Leistungen. Mehr sage ich hierzu nicht..














Sonntag, 25. September 2016

Erstes Treffen in Leipzig

Pünktlich um 11 Uhr treffen sich alle drei Clowns bei der Autovermietung in Freising. Nach einer kurzen Einweisung brechen wir auch schon nach Leipzig auf.

Die Unterkunft ist schnell bezogen und wir treffen und mit Niko und Daniela zum gemeinsamen Abendessen. Nach einem kurzen kennenlernen geht es auch schon zum gemeinsamen proben.


 
Glücklich und zufrieden gehen wir ins Bett und freuen uns auf morgen.

Gute Nacht Tobi

Samstag, 24. September 2016

Zwei Kinder

Der vorletzte Tag beginnt ganz entspannt und wir hätten nicht damit rechnen können, wie er weiter verlaufen würde. Heute durften wir ein wenig länger schlafen und vor der ersten Show um 14 Uhr (so geplant) konnten wir uns eine Fahrt im weltbekannten und kunterbunten Riesenrad im Freizeitpark von Nizhny Tagil nicht entgehen lassen. Puh, war das aufregend. Bestimmt in 20 Metern schwindelnder Höhe und der Frage im Kopf, ob die rostige Konstruktion wirklich noch hält (was sie nicht verspricht) stellten wir uns seelisch auf den nächsten Club-Gang ein.
Ein bisschen am Stadtrand von Tagil fuhren wir zum Club Drebezgi. Es riecht nach abgestandenem Bier und kaltem Rauch. Hmm, wir entscheiden doch lieber draußen zu spielen, da die Sonne eh so schön in der Nase kitzelt. Perfekten Platz für den Vorhang gefunden, Banner platziert, umgezogen und geschminkt und kurz vor Showbeginn…trommelwirbel…sind schon zwei Kinder da!
Es war uns nicht ganz klar, woher die Gäste zu diesem Club in Mitten von nicht ganz künstlerischen Hochhäusern kommen sollten. Der Besitzer hatte seinem Personal gesagt, dass die alle einladen sollen. Mit den potenziellen Gästen entschieden wir dann gemeinsam den Spielort vor ein Einkaufszentrum in der Nähe zu verlegen. Gesagt, getan spielten wir dort vor Rund 40 Leuten. Der Wachmann ließ sich auch nur kurz blicken, hielt einen Schwatz mit Organisations-Stefan und schaute mit Sicherheitsabstand wohlwollend ein paar Minuten zu- wir durften also ohne große Komplikationen spielen.
Die zweite Show spielten wir dann vor ein paar Hand voll Leuten direkt vorm Club. Schön und besonders war es in bzw. vor dieser ungewöhnlichen Location.
Nun verlassen wir Nizhny Tagil wieder; bedanken uns bei den Leuten vom Park Inn Hotel für die Gastfreundschaft und vermissen schon jetzt auf dem Weg ins idyllische Byngi die dicksten Rauchwolken vom größten Stahlwerk, welche ganz besonderes Flair über die Stadt gelegt haben.
Morgen ist dann schon der letzte Tag und dann heißt es „Doswidanje“ und bis zum nächsten Mal!








Freitag, 23. September 2016

Der steinerne Clown

Am Morgen mussten wir früh raus.
Unsere erste Show sollte schon um 10.00 Uhr beginnen. Also 8.00 Uhr Frühstück im 4* Hotel mit allem was das Herz begehrt. Dank unserem wunderbaren Kontaktmann Stefan, der halbjährlich mit seiner Frau in dieser Region lebt, durften wir hier kostenlos logieren.
Aus den anfänglich fünf geplanten Shows wurden erstmal vier. Auf Grund des engen Zeitplanes wurden dann die letzten beiden zusammengelegt und es waren dann doch nur drei. So ist es halt hier, hören wir immer wieder. Für mich nichts Neues, da ich ja jede Menge Asienerfahrung habe.
Die Shows spielten wir auf Einladung von Dascha, in der Galerie eines Kulturzentrums, in dem Räumlichkeiten Künstlern zur Verfügung gestellt werden.
Die ersten beiden Shows spielten wir für Kindergartenkinder. Die zusammengelegte Show wurde von Schulklassen der Altersstufe 8-12 Jahren besucht. Wie schon gestern hat die örtliche Presse reges Interesse an den Deutschen Clowns.
Mal sehen ob es uns gelingt die Printausgaben der beiden Zeitungen zu ergattern.
Da wir wieder erwartend um 13.00 Uhr Feierabend hatten konnten wir den Nachmittag mit einem Spaziergang durch die 350.000 Einwohnerstadt genießen.
Durch die beiden heutigen Fernsehberichte wurden wir bei Abendessen von zwei Tagiler Einwohnern/innen erkannt. Die Rückmeldung waren sehr herzlich.
Eure Mission, Liebe und Lachen zu bringen hat einen unschätzbaren Wert und ist so wichtig.
Ihr gebt meinen Kindern ganz viel Lebensfreude, danke dafür.
So die beiden Aussagen der Showbesucher.
Was für eine schöne Arbeit die ich hier machen darf, Danke!





Donnerstag, 22. September 2016

Nizhny Tagil

4. russischer Tag - Miriam
Aufbruch und Umzug am Morgen nach Nizhny Tagil, 60 km nördlich von unserer "Homebase".
Holgers Waschbrett (...njet, nicht -Bauch) für die Rhythmusgruppe schaut vor lauter Spielfreude langsam aus der... tätätätääää: Wäsche! Da.
Wir versuchen unser Glück im örtlichen Tante Emma Laden ein neues zu finden. Als Stefan danach fragt, während Holger es den beiden Damen vor die Augen hält, sagt die eine: "Das ist aber schon ganz schön alt." Irgendwie schon sehr lustig, wenn man sich hier im Laden umschaut und eingestaubte Waren sieht, die geschätzt aus der letzten Zarendynastie stammen.
Nach wenigen Kilometern kommen wir in eine Polizeikontrolle. Erstaunlicherweise ist der junge Polizist sehr freundlich, lächelt und kann es nicht glauben, dass sich lauter Deutsche im Auto befinden, die hier offensichtlich freiwillig sind.
So ganz dahinter gekommen bin ich noch nicht:
Wie lässt sich die russische Attitüde knacken? So weit und groß sich das Land anfühlt (und: ja, ich bin mir darüber im Klaren, welch miniminikleinen Auszug wir davon nur ansatzweise mitbekommen) so weit voneinander entfernt fühlt sich das Zwischenmenschliche in den ersten Sekunden einer Begegnung (selbst mit vorbei huschendem Augenkontakt) an. Damit meine ich ausschließlich die Momente mit Erwachsenen.
Bei den Kindern, auf die wir bisher gestoßen sind, ist das anders: der Kontrast, wie sehr diese auf uns reagieren und der anfänglichen "Contenance" der Erwachsenen drumherum, könnte für mich nicht größer sein. Das Lachen ist so herzlich, dass sich die Großen davon irgendwann nicht mehr abgrenzen können und nach anfänglichem "Hand vor den Mund" Halten und "Oh Gott, hoffentlich sieht man nicht, dass ich eigentlich gern lachen würde" dem Gefühl der Ausgelassenheit hingeben. Und das ist wundervoll miterleben zu dürfen!
Mehrmals haben wir im Nachhinein erfahren, dass die Erwachsenen den Kindern während unsrer Show "Lacht nicht so laut!" zuriefen. Tja, und dann erwischt es die Schimpfer doch selbst. Ts.
Nizhny Tagil mit seinen 350.000 Einwohnern lebt hauptsächlich vom Panzer- und Wagonbau. Danach kommt der Stahlbau. Als wir in die Stadt einfahren sehen wir braunschwarz-gelb-roten Ruß aus den Essen der Fabriken am Stadthorizont.
In unserem Zimmer hängt ein kunstvolles Plexiglasbild mit Panzermotiv. So auch über der Toilette. Ein Souvenirladen im Hotel verkauft kleine Panzer, Panzerschuhe, Panzer-T-Shirts, Panzermagnete, Panzerseife,... alles also, was das - Achtung: Panzer Insider - T34-er Herz begehrt.
Wir sind in einem 4 Sterne Hotel untergebracht das uns die Unterkunft für die kommenden 2 Nächte umsonst zur Verfügung stellt. Die einzige Bitte: Zwei Shows in ihrem Haus spielen. Jetzt muss man an dieser Stelle erwähnen, dass es für ein Unternehmen in dieser Region nicht gängig ist, Charity-Veranstaltungen zu organisieren.
Die 1. Show mit ca. 120 Waisenkinder und deren Betreuern war schwierig zu spielen, zumal wir uns in einem großen grauen Teppichraum mit riesigen Vorhängen aufhielten. Das Ambiente erinnerte eher an einen Konferenzraum mit zugehöriger Powerpointpräsentation. Einige der Kinder, aber das bemerkten wir erst während der Show, waren geistig und körperlich beeinträchtigt.
Es dauerte eine Zeit bis auch die Erwachsenen mit uns "warm" wurden. Am Schluss war jedoch alles wie gewohnt und das Eis gebrochen.
Nach der Show wurden wir vom russischen Fernsehen interviewt, das uns bereits während der Show filmte. Es gab für unsre heutige und auch morgige Show Ankündigungen im regionalen Fernsehen. Teilweise mit falschen Zeitangaben. Egal.
Die 2. Show (im selben Hotel, aber anderem Stockwerk und kleinerem Raum) mit ca. 60 Zuschauern war komplett anders. Drei Kinder in der ersten Reihe waren während der Show kaum zu halten. Immer wieder sprangen sie von ihren Stühlen, schrieen, kommentierten, meldeten und verbesserten unsre Show. Eine piekste sogar in Heikovskis Popo. Fantastico!
Sehr konträrer Tag. Weg vom ländlichen Gänse-Idyll in Byngi hin zur größten Panzer-Stadt Russlands Nizhny Tagil.
Morgen warten 4 Shows innerhalb von 4 Stunden auf uns. Wie schön: Gute Nacht!